Dioxin-Skandal: Fünf Fragen, fünf Antworten
Der Skandal um dioxinbelastete Eier schlägt immer höhere Wellen. Nachdem Fette, die mit Dioxin belastet waren, ins Futtermittel gerieten, wurde das Gift in unerlaubt hohen Konzentrationen in Eiern und Schweinefleisch nachgewiesen. Die Unsicherheit bei den Verbrauchern ist groß. vitanet.de beantwortet fünf Fragen zum jüngsten Skandal.Was ist Dioxin?

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Dioxin ist kein einzelner Stoff, sondern ein Sammelbegriff für eine Gruppe von über 200 Substanzen, die als Umweltgifte gelten. Dioxine sind organische chemische Verbindungen, die zwei speziell gebundene Sauerstoff-Atome und Chlor enthalten. Dioxin wird nicht gezielt produziert, da es keinen spezifischen Verwendungszweck dafür gibt. Die Verbindungen entstehen bei der industriellen Herstellung verschiedener Stoffe als Nebenprodukt. Im aktuellen Fall der dioxinbelasteten Eier stammt der Giftstoff aus Fetten, die bei der Produktion von Biodiesel entstehen. Sie wurden unerlaubter Weise zu Futterfett weiterverarbeitet. Traurige Berühmtheit erlangten Dioxine, als sie unter dem Namen „Agent Orange“ von den USA als Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg eingesetzt wurden. Bis heute treten in der vietnamesischen Bevölkerung vermehrt Krebsfälle und Fehlbildungen bei Neugeborenen auf.
Wie schadet Dioxin dem menschlichen Körper?
Dioxin ist eines der stärksten Gifte, weniger als ein Milligramm kann tödlich sein. Das Gefährlichste an Dioxinen ist ihre Langzeitwirkung. Die Substanzen lagern sich im Fettgewebe des Menschen ab. Einige Dioxine sind krebserregend, andere stehen zumindest im Verdacht, bösartige Tumore zu verursachen. Wie Studien zeigten, kann Muttermilch, die mit Dioxin belastet ist, zu Entwicklungsstörungen beim Kind führen. Wenn sehr hohe Mengen an Dioxin aufgenommen werden, kommt es zu einer akuten Vergiftung, die auch tödlich verlaufen kann. In Seveso in Norditalien ereignete sich 1976 eine der folgenreichsten Chemie-Katastrophen mit Dioxin: Pflanzen verdorrten, Tiere starben, Menschen erkrankten.
Wie gefährlich sind „Dioxin-Eier“?
„Bei den aktuell festgestellten Überschreitungen ist keine unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigung für Verbraucher zu erwarten“, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung auf seiner Website. Vor allem für tierische Nahrungsmittel gibt es Grenzwerte, die den maximalen erlaubten Dioxingehalt bestimmen. Eine Konzentration unterhalb dieser Richtwerte ist also erlaubt und kommt auch vor. Jeder Mensch nimmt aufgrund der bestehenden Hintergrundbelastung täglich Spuren von Dioxinen über die Nahrung auf. Verzehrt man Eier mit einem zu hohen Gehalt an Dioxin, kommt es zu keiner akuten Vergiftung. Das Umweltgift reichert sich im Körper an. Aus diesem Grund müssen übrigens auch Schweine geschlachtet werden, die dioxinbelastetes Futter gefressen haben. Sie sind wandelnde Dioxinspeicher.
Ist Bio wirklich besser?
Seit die erhöhte Dioxinbelastung von Eiern bekannt wurde, greifen viele Verbraucher vermehrt zu Bio-Eiern, weil sie glauben, dass diese Produkte „sauber“ sind. Prinzipiell ist das richtig, da die Futtermittel, die im aktuellen Fall mit Dioxin belastet waren, in Biobetrieben gar nicht verwendet werden dürfen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind daher Bio-Eier von den Dioxinbelastungen nicht betroffen. Allerdings sprechen sich die Verbände der Biobranche nicht davon frei, dass es auch in der ökologischen Landwirtschaft zu Verunreinigungen kommen kann. Im Jahr 2009 wurde in Bio-Eiern ebenfalls Dioxin entdeckt.
So erkennt man Bio-EierDie erste Stelle der Stempelnummer auf den Eiern weist auf die Art der Tierhaltung hin. Die
0 steht für Eier aus Biobetrieben.
Welche Informationen Sie noch anhand des sogenannten Erzeugercodes auf den Eiern erhalten, erfahren Sie
hier.
Ist mein Ei mit Dioxin belastet?
Wie findet man nun heraus, ob das Ei aus dem Kühlschrank dioxinbelastet
ist oder nicht? Jedes einzelne Ei trägt einen Stempel, der darüber informiert, aus welcher Haltungsform (Biohaltung, Freilandhaltung etc.), aus welchem Land, Bundesland, Betrieb und Stall es stammt. Verbraucherzentralen liegen Listen (siehe weiterführende Links) mit Codes vor, die auf die Herkunft aus einem Betrieb verweisen, in dem erhöhte Dioxinbelastungen auftraten. Über diese online abrufbaren Listen kann jedes Ei überprüft werden.
Ein wenig einfacher geht es mit der App „Barcoo“ für Smartphones:
Nachdem das kleine Programm auf das Handy geladen wurde, kann der Stempelcode des Eis eingegeben werden. Die App gleicht den Code mit den
Listen der Verbraucherzentralen ab und zeigt in Sekundenschnelle an, ob das Ei von einem der Betriebe stammt, in denen dioxinbelastetes Futter gegeben wurde.
Weiterführende Links
Verschiedene Ministerien und Verbraucherzentralen haben Listen der Stempelnummern herausgegeben, die auf dioxinbelastete Eier hinweisen.
Verbraucherschutzministerium NRWVerbraucherschutzministerium NiedersachsenVerbraucherzentrale Hamburgweitere Informatioen des Bundesverbands der VerbraucherzentralenDie App „Barcoo“ zum kostenlosen Download für:
das iPhonedas Betriebssystem badaNokia Handysfür das Betriebssystem AndroidWer kein Smartphone besitzt, kann den Stempel auf den Eiern auch online überprüfen.
zum Online-Formularvitanet.de hat mehr Infos zu Ernährung und Krebsvitanet.de hat mehr Infos zu Zusatzstoffen in Lebensmittelnzum News-Archiv von vitanet.de
Autoren und Quellen
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Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christian Grundmann, Dipl.-Biol., Medizinredakteur; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
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Quellen: Umweltbundesamt; Chemikalienpolitik und Schadstoffe, REACH Dioxine
- Süddeutsche Zeitung online; Dioxin-Skandal: „Bio“ als sichere Alternative?; 13.01.2011 http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1095403
- Verbraucherzentrale Hamburg; Namen und Nummern nennen!; 12.01.2011
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