Elektronische Patientenakte - die neue Ära digitaler Gesundheitsversorgung

Mit der bundesweiten Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) tritt Deutschland in eine neue Ära der digitalen Verwaltung im Gesundheitswesen ein. Für in Deutschland lebende Menschen hat diese Änderung Auswirkungen darauf, wie medizinische Unterlagen gespeichert, abgerufen und weitergegeben werden. Dabei handelt es sich nicht nur um eine bürokratische Umstellung, sondern um eine Transformation, die darauf abzielt, die Effizienz zu verbessern, den Papierkram zu reduzieren und die Versorgung zu optimieren. Für Versicherte bringt die Umstellung sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich.
Die elektronische Patientenakte verstehen
Die elektronische Patientenakte ist ein sicherer, digitaler Speicherort, der die Krankengeschichte, Verschreibungen, Diagnosen, Impfdaten und Testergebnisse einer Person enthält. Die ePA wurde im Rahmen der digitalen Gesundheitsstrategie Deutschlands eingeführt und wird von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse verwaltet. Der Zugriff erfolgt über sichere mobile Apps oder Webportale.
Wichtige Merkmale der ePA
- Zentralisierte Krankengeschichte: Ärzte, Fachärzte und Krankenhäuser können auf aktuelle Unterlagen zugreifen, ohne Tests wiederholen zu müssen.
- Kontrolle durch den Patienten: Sie können kontrollieren, wer auf Ihre Akte zugreifen darf und wie lange.
- Langfristige Speicherung: Die Unterlagen bleiben auch dann erhalten, wenn Sie den Arzt oder die Krankenkasse wechseln.
- Integration mit digitalen Diensten: Verknüpfung mit elektronischen Rezepten, digitalen Krankmeldungen und Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen.
Wozu dienen elektronische Gesundheitsakten?
- Ärzte können sich ein detailliertes Bild von Ihrem aktuellen Gesundheitszustand machen, ohne zuvor Unterlagen von anderen Praxen anfordern zu müssen – und ohne dass Sie zu Hause nach Papierunterlagen suchen und daran denken müssen, diese zu Ihrem Termin mitzubringen.
- Sie können vermeiden, dass diagnostische Untersuchungen zu oft durchgeführt werden, und Ärzte in verschiedenen Praxen können Ihre Behandlungen besser koordinieren.
- Wenn Sie zu einem neuen Arzt gehen, ist es für diesen einfacher, sich einen Überblick über Ihre Krankengeschichte zu verschaffen.
- Ärzte und Apotheker können Sie besser beraten, da sie sehen können, welche anderen Medikamente Sie einnehmen, und Sie auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten hinweisen können.
- Es ist einfacher, eine zweite medizinische Meinung einzuholen, da viele der dafür erforderlichen Informationen bereits verfügbar sind.
Welche Informationen werden in elektronischen Gesundheitsakten gespeichert?
Ärzte, Psychotherapeuten und andere medizinische Fachkräfte können folgende Arten von Informationen in einer elektronischen Gesundheitsakte speichern:
- Testergebnisse, medizinische Befunde und Diagnosen,
- Behandlungen,
- Arztbriefe,
- Operationsberichte und Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus,
- Medikamentenliste,
- Fotos, zum Beispiel von Wunden,
- Informationen über Allergien, chronische Erkrankungen,
- Kontaktpersonen für Notfälle.
Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) können ebenfalls dort gespeichert werden. Ihre Krankenkasse führt dort auch eine Abrechnungsübersicht mit Informationen zu allen von Ihnen in Anspruch genommenen Gesundheitsleistungen. Sie können Ihrer elektronischen Gesundheitsakte auch selbst Dokumente hinzufügen, zum Beispiel:
- vorhandene medizinische Dokumente wie frühere medizinische Befunde
- Gesundheitstagebücher, wie Notizen, die Sie über Schmerzen, Ihren Blutzucker oder Ihren Blutdruck im Laufe der Zeit gemacht haben
- Daten aus Apps, die Ihre Fitness oder andere Aspekte Ihrer Gesundheit tracken
Die ePA befindet sich jedoch noch in der Entwicklung. Bislang ist es nicht möglich, Bilddateien wie Röntgenaufnahmen zu speichern, da diese zu groß sind. Für die Zukunft ist geplant, digitale Versionen von Impfausweisen, Mutterpässen, Bonusheften und dergleichen in der ePA zu speichern.
Wie verwalten Sie Ihre elektronische Gesundheitsakte?
Sie können Ihre ePA mit der App Ihrer Krankenkasse auf Ihrem Smartphone oder Tablet verwalten. Jede gesetzliche Krankenkasse bietet eine eigene ePA-App mit Anweisungen zur Einrichtung und Nutzung an. Eltern oder andere Erziehungsberechtigte verwalten die ePAs von Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 15 Jahren. Bei Erwachsenen, die ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können, übernimmt dies ein Vormund.
Wenn Erwachsene ihre ePA nicht selbst verwalten können oder kein Smartphone besitzen, können sie einer oder mehreren Vertrauenspersonen Zugriff auf ihre ePA gewähren. So können auch Freunde und Familienangehörige, die weit entfernt wohnen, helfen. Diese müssen nicht bei derselben Krankenkasse versichert sein wie die Person, deren ePA sie verwalten. Sie benötigen lediglich die ePA-App ihrer eigenen Krankenkasse. Damit können sie die ePA der anderen Person verwalten, aber sie können sie nicht löschen oder andere Vertreter benennen.
Sie können die ePA einer anderen Person auch verwalten, ohne selbst eine ePA zu haben. Wenn Sie selbst keine ePA nutzen können oder wollen, können Sie auch nur Ihren Ärzten erlauben, Daten darin zu speichern und zu nutzen.
Wie werden Ihre Daten geschützt?
Alle Informationen in Ihrer ePA werden dort in verschlüsselter Form gemäß den neuesten technischen Standards gespeichert. Der Zugriff auf die ePA ist nur über ein spezielles sicheres digitales Netzwerk möglich, das als "Telematikinfrastruktur" bezeichnet wird. Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und andere Gesundheitsdienstleister in Deutschland sind an dieses Netzwerk angeschlossen. Auch ePA-Apps laufen über das TI-Netzwerk. Jede Software, die in der TI verwendet wird, muss hohen Datensicherheitsstandards entsprechen.
Alle Aktivitäten in der ePA werden in einem Protokoll aufgezeichnet. Das Protokoll wird drei Jahre lang gespeichert. So können Sie sehen, wer auf Ihre Daten zugegriffen hat. Die anderen Daten in Ihrer ePA müssen nicht nach einer bestimmten Zeit gelöscht werden, sodass sie ein Leben lang gespeichert bleiben können.








